Pflegewirtschaft

Orpea und Axion wollen das Premium-Segment Pflege neu definieren

Dr. Erik Hamann, CEO Orpea Deutschland, und Nikolaos Tavridis, bisher Axion-Chef und nun CEO Orpea Premium Holding GmbH (Fotos), wollen gemeinsam das Premiumsegment im Pflegemarkt ausbauen. Sie sehen da große Marktchancen. sgpREPORT befragte sie zu Strategie und Zielen.

Herr Dr. Hamann, Sie haben den Betrieb von 7 Pflegeheimen der Axion-Gruppe mit insgesamt 985 Betten übernommen. Was hat Sie an diesem Betrieb gereizt?

HAMANN: Auch im Alter und auch, wenn Pflegebedürftigkeit einsetzt, haben Menschen noch unterschiedliche Lebensstandards und Ansprüche. Diese haben aber alle das gleiche Recht, optimal erfüllt zu werden. Mit der Übernahme dieser sieben Einrichtungen möchten wir das Angebot der ORPEA Deutschland in Richtung Premiumsegment abrunden.

Herr Tavridis, warum haben Sie den Betrieb verkauft?

TAVRIDIS: Die Entscheidung zum Verkauf ist mir nicht einfach gefallen, schließlich handelt es sich auch um mein bisheriges Lebenswerk. Am Ende war es aber eine leichte Entscheidung. Die ORPEA Deutschland steht wie kein anderer Betreiber in der Branche für Qualität. Unsere Unternehmenswerte sind deckungsgleich. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass diese Entwicklung weitergeht.

Herr Hamann, mit diesem Portfolio haben Sie auch die legendäre Elbschloss-Residenz übernommen. Soll diese Residenz das Flaggschiff für eine neues Orpea-Premiumsegment werden?

HAMANN: Die Elbschloss-Residenz gehört zweifelsohne zu den besten Häusern im Bereich Komfort- und Premiumpflege. Die Transaktion und das Joint-Venture sind Teil unserer Strategie, das Angebot in Deutschland mittel- und langfristig deutlich hochwertiger zu entwickeln - und zwar an mehreren Standorten.

Herr Tavridis, gibt es denn in Deutschland genügend Standorte, um im neuen Joint Venture Premiumangebote zu entwickeln?

TAVRIDIS: Ja, die gibt es durchaus. Die besten Chancen sehen wir in den Ballungsgebieten bzw. in den Metropolregionen, da wo wir überdurchschnittliche Einkommen vorfinden können.

Herr Hamann, haben Sie neue Kundengruppen für Premiumhäuser ausgemacht?

HAMANN: Nein, die Kundengruppe ist bereits vorhanden. Allerdings ist das aktuell vorhandene Angebot an Häusern mit besonders hohem Standard zu gering, um den stark steigenden Bedarf zu befriedigen. Es gibt noch nicht einmal 20 Häuser im Premium-Segment.

Herr Tavridis, Sie haben langjährig Erfahrungen in diesem Segment. Sind Sie dann auch auf der Suche nach besonders qualifizierten Direktoren, Hotelmanagern, Fach- und Führungskräften?

TAVRIDIS: Wie schon einführend festgehalten wurde, fußt unsere Zusammenarbeit auf dem Grundsatz der Qualität. Insofern ja, wir werden alles daran setzen, dass unsere Mitarbeiter diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden. Wir suchen die Besten und können ihnen ideale Rahmenbedingungen anbieten, Neues zu erschaffen.

Herr Hamann, werden die 7 Axion-Häuser neu ausgerichtet oder in das neue Orpea-Premium-Angebot überführt?

HAMANN: Wir haben uns da bereits unsere Gedanken gemacht. Die Axion-Häuser werden sanft in Orpea integriert werden. Revolutionäre Veränderungen wird es nicht geben. Speziell die Elbschloss Residenz und die Elbschloss Residenz Klein Flottbeck werden Bestandteil der neuen OPREA Premium Group werden. Bitte behalten Sie immer im Hinterkopf, dass unser Einstieg in Bestehendes nicht der entscheidende Punkt bei der Transaktion ist. Es geht vielmehr um die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Herrn Tavridis mit dem Zweck, den Premiummarkt in Deutschland neu zu definieren. Wir sammeln keine bestehende Häuser ein, wie es sich das vielleicht der ein oder andere zum Geschäftsinhalt gemacht hat. Wir schaffen Werte, statt sie umzuverteilen: Es entstehen neue Häuser, die es vorher nicht gab. Dieser Wertschöpfungsansatz ist der Grund, warum ORPEA seit Jahrzehnten so erfolgreich am Markt agiert.

Interview: Holger Göpel

Erschienen im sgpREPORT 22-2018