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Praktiker-Vorstoß: Ambulante Psychiatrische Pflege verordnungsfrei als Erstversorgung

Für einen Ausbau der Ambulanten Psychiatrischen Pflege (APP) macht sich der Pflegedienstleiter des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg (Landkreis Heilbronn), Michael Theune, stark: Die Leistung solle auch als verordnungsfreie Erstversorgung angeboten werden können. Seinen Vorschlag untermauert er in seinem Vortrag auf dem Deutschen Pflegetag am 16. März in Berlin.

Die APP zählt zur Regelversorgung nach dem Krankenversicherungsgesetz (SGB V) und muss durch Fach- und Hausärzte für psychisch erkrankte Patienten verordnet werden. Näheres zu den Leistungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) 2018 in seiner neuen HKP-Richtlinie (§ 4, siehe Anhang) für die psychiatrische häusliche Krankenpflege festgelegt. Michael Theune (Foto) hält es für sinnvoll, die Ambulante Psychiatrische Pflege künftig auch als verordnungsfreie Erstversorgungsleistung anzubieten. Qualifizierte Pflegende könnten dann stärker als stetig mit Patienten arbeitende Casemanagerinnen eingesetzt werden, was die fachärztliche Versorgung und die Vernetzung von Pflege und Medizin verbessere.

„Von flächendeckender Versorgung Lichtjahre entfernt“

Weiterer Knackpunkt laut Theune: „In der Realität steht die APP derzeit im häuslichen und damit im gemeindepsychiatrischen Versorgungssystem einer Vielzahl von betroffenen Menschen gar nicht zur Verfügung. Von einer flächendeckenden Versorgung sind wir in der Bundesrepublik Lichtjahre entfernt.“ Hier sieht der Pflegedienstleiter Handlungsbedarf, zumal die fachärztlich-psychiatrische Versorgung auch durch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung gerade in Flächenregionen immer geringer werde.

Qualifizierte APP müsse auf evidenzbasiertem Arbeitshandeln von Pflegenden beruhen, da dies im Pflegeprozess aktueller Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse sei. Gleichzeitig verlange gute ambulante psychiatrische Pflege ein individualisiertes, nicht standardisierbares situatives Handeln von Pflegenden, um auf die spezifische, oft existentiell belastende Situation von Patienten mit eingeschränkter Selbstpflegekompetenz einzugehen. Es gelte auch die Lebenswelt der Patienten zu erfassen sowie deren Autonomie und Teilhabe zu fördern.

Theune: „Die APP ist auf dem Weg in ein eigenes, hochqualifiziertes Handlungsfeld, welches im Sinne einer vernetzten und kooperativen Zusammenarbeit mit allen an der psychiatrischen Versorgung beteiligten Leistungsanbietern als wertvolle Ressource und Komponente ausgebaut und gestärkt werden sollte.“

Tipp: Seinen Vortrag „Möglichkeiten und Grenzen der neuen Richtlinien für die ambulante psychiatrische Pflege“ hält Michael Theune beim Deutschen Pflegetag am Samstag, 16. März, ab 9 Uhr in der Session „Ambulante Versorgung am Beispiel gemeindepsychiatrischer Versorgungskonzepte“.

Die Bestimmungen zur pschiachtrischen häuslichen Krankenpflege finden Sie in der aktuellen HKP-Richtline des G-BA hier im Anhang:

über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege

© Hellbardt, Mario

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