Foto: Holger Göpel

Pflegepolitik

contec forum 2019: "Pflege wirksam verändern - Aktionsplan statt Aktionismus!"

Ein fester erster Termin im Jahreskalender, das contec forum in Berlin. contec-chef Detlef Friedrich (Foto) im Interview mit dem sgpREPORT: "Mit konzeptionellen Fragen beschäftigt man sich bisher viel zu wenig!" Das soll sich beim 15. contec forum (16.-17.1.) ändern. Das komplette Interview zur Einstimmung auf den Kongress lesen sie im sgpREPORT 1-2019.

Die Pflege wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen, was sich auch in der von Bundesgesundheitsministerium, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Konzertierten Aktion Pflege widerspiegelt. Das 15. contec forum am 16. und 17. Januar in Berlin steht unter dem Motto „Aktionsplan statt Aktionismus – Pflege wirksam verändern!“

Thematische Schwerpunkte werden sein:

  • Unternehmerisches Wagnis in der stationären und ambulanten Pflege: Wer bezahlt die Pflege von Morgen?

  • Gute Arbeit braucht faire Entlohnung: Kommt der allgemeinverbindliche Tarifvertrag für die Pflege?

  • Pflege als Wirtschaftsfaktor: Lösungen gegen Fachkräftemangel und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen

  • Buurtzorg: Das niederländische Modell in der Praxis

Angekündigt wird von contec bereits die Teilnahme von Repräsentanten aus BMG, BMAS, BMFSFJ sowie BMWI, der pflegepolitischen Sprecher und Sprecherinnen der Bundestagsfraktionen sowie des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus.

sgpREPORT ist als Medienpartner vor Ort.

contec-Chef Detlef Friedrich im Vorab-Interview mit der Redaktion: "Nachdem in der letzten Legislaturperiode einige Dinge strategisch-strukturell aufs Gleis gesetzt worden sind, hat man plötzlich begonnen, alle Themen, um deren Veränderung wir schon seit 10 Jahren wissen, im Schnelldurchgang auf die Agenda zu heben. Das löst aber nicht das eigentliche Grundproblem. Die Herausforderung ist, dass wir die Finanzierung der Pflegeversicherung neu überdenken müssen. Wir sehen im Moment eine Menge Aktionismus in der bestehenden Struktur, denken aber über generelle, strukturelle Veränderungen zu wenig nach. Diese Kernüberlegungen müssen aber parallel stattfinden.Wenn man Veränderungen wirklich will, gehen die meistens nicht nur durch Goodwill. Ich brauche auch die – finanziellen und personellen – Ressourcen, um etwas in der Breite anzuschieben."

Renditen-Diskussion versachlichen

Das contec forum will wieder Anregungen zur Diskussion liefern: Ein Stichwort ist das Unternehmerswagnis, zudem die im letzten Jahr vorgelegte IEGUS-/bpa-Studie die Debatte eröffnet hat. Friedrich: "Die Diskussion in der Branchen hat gezeigt, dass munter Eigenkapitalrenditen und Umsatzrenditen durcheinander genutzt werden. Wirwollen mit dem Forum wieder dazu beitragen, ein Stück mehr Objektivierung in die Diskussion zu bringen. Prof. Dr. Harald Schmitz von der Bank für Sozialwirtschaft wird deshalb eine betriebswirtschaftliche Einordnung vornehmen." Exakt zu diesem Thema wird auch sgp-Analyst Hartmut Schmidt in der Ausgabe 1-2019 eine Auswertung der unterschiedlichen Renditen an Unternehmensbeispielen, trägerübergreifend, veröffentlichen.

Im Februar wird das IEGUS Institut dazu eine erste umfassende Erhebung des sehr komplexen ambulanten Bereichs vorlegen. Man darf gespannt sein.

Ein Ausblick aus das contec forum vorab, der Nachbericht im sgpREPORT 2-2019:

Schluss mit Sofortprogrammen!“ war eine der Forderungen, die aus dem 14. contec forum im Januar 2018 hervorgegangen sind. Anknüpfend an diese und andere Forderungen diskutieren wieder rund 200 Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Branche die aktuellen sozialpolitischen Herausforderungen sowie konkrete Lösungsansätze für Fragen des Fachkräftemangels oder eine steigende Attraktivität des Pflegeberufes.

Unternehmerwagnis – Wer bezahlt die Pflege von morgen?

Klar ist vor allem eines: Eine angemessene Vergütung des unternehmerischen Wagnisses wird für die Weiterentwicklung der Pflege benötigt. Die Diskussion um die bessere Bezahlung in der Pflege und die Vergütung des unternehmerischen Wagnisses macht deutlich: Pflege wird teurer werden! Dies darf aber nicht auf dem Rücken der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen ausgetragen werden. Wir werden diskutieren, wie die Finanzierung der Pflege in Zukunft aussehen muss.

Kommt der allgemeinverbindliche Tarifvertrag?

Im Rahmen der von BMG, BMAS und BMFSFJ initiierten Konzertierten Aktion Pflege wird auch ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für die Pflege geprüft. Wir diskutieren u.a. mit VertreterInnen der privaten sowie der freigemeinnützigen Pflege, mit Rechtswissenschaft, Politik, Arbeitgeberverbänden sowie Gewerkschaften und Betroffenen über rechtliche Schwierigkeiten z.B. hinsichtlich des Kirchenarbeitsrechtes sowie die Einschränkung der unternehmerischen Freiheitsgrade.

Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor – in vielerlei Hinsicht

Der zweite Tag des contec forums widmet sich ausführlich einer starken Zukunft für die Branche. Hier sind innovative Modelle zwischen Wirtschaft und Sozialwirtschaft gefragt, die die Beschäftigung von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz sichern. Im Kreuzdialog diskutieren VertreterInnen des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Bundeswirtschaftsministeriums.

Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Es werden konkrete Lösungsansätze anhand von Best-Practice-Projekten und neuen Methoden vorgestellt. PraktikerInnen und ExpertInnen der Politik schauen auf ein Jahr Buurtzorg in Deutschland. 2017 von Jos de Blok, dem Gründer des niederländischen Modells, auf dem 13. contec forum erstmalig vorgestellt.

  • Anmeldungsmöglichkeit zum 15. contec forum hier