Pflegewirtschaft

Das Leben im Altenheim zu Corona-Zeiten

Die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach versucht, das Leben für die Bewohner/-innen und die Arbeit der Mitarbeiter/-innen in den sieben Altenheimen so angenehm wie möglich zu gestalten. Susanne Wallrafen (Foto) schildert, wie das funktioniert; sie setzt zunehmend digitale Angebote ein.

Eine ganz besondere Verantwortung

Covid-19: seit Wochen bestimmt dieses kleine Virus unser aller Leben – ob privat oder beruflich ist unser Leben massiv eingeschränkt worden! Kontaktverbote, Ausgangssperren, Quarantäne, Abstand halten, Hände waschen und viele weitere Maßnahmen, die getroffen wurden und das soziale Miteinander quasi auf null gesetzt haben. Alles um zu vermeiden, dass wir das Virus weiter verbreiten, uns selbst oder sogar andere Menschen gefährden. Das Virus kann tödlich sein. Es besteht ein besonders hohes Risiko für alte und kranke Menschen – und genau für die alten Menschen, die in stationären Pflegeeinrichtungen leben, tragen wir eine ganz besondere Verantwortung!

Die Ausbreitung des Coronavirus stellt uns als Träger von sieben städtischen Altenheimen – wie viele andere - vor so noch nie dagewesene Herausforderungen. Bewohner/-innen sollen das Altenheim nicht verlassen bzw. müssen sich an gesetzlich geregelte Vorgaben halten. Für Bewohner/-innen und deren Angehörige keine leichte Situation - ebenso wie für unsere Beschäftigten, für die Angehörige und das soziale Umfeld wichtige Partner/-innen bei der Alltagsgestaltung der Bewohner/-innen sind.

Kreative Ideen, die Abwechslung und gute Laune bringen

Aber auch die gilt es bestmöglich zu meistern: Neben der professionellen Pflege und allen damit verbundenen Tätigkeiten setzen wir alles daran, dass das Leben im Altenheim auch in Corona-Zeiten lebenswert bleibt: Von der Lieblingsspeise bis zum Geburtstagskuchen, mit einer Küchendisko oder einer Tisch-Kegel-Runde im Zimmer – unsere Mitarbeiter/-innen suchte nach kreativen Ideen, die Abwechslung und gute Laune bringen.

Beliebte Angebote, die aufgrund der einzuhaltenden Schutzmaßnahmen so nicht mehr durchführbar sind, wurden angepasst und finden jetzt in Kleingruppen auf den einzelnen Wohnbereichen statt. So erfreuen sich die Bewohner/-innen auch weiterhin am BINGO spielen oder am beliebten Waffeln backen (und verspeisen).

Neue digitale Betreuung- und Aktivierungsangebote

Not macht erfinderisch! Besondere Situationen setzen häufig besonders kreatives Potential frei – auch in der Pflege! Neue Betreuung- und Aktivierungsangebote haben seit Corona Einzug in unsere Einrichtungen gefunden.

Dank unserer Mitwirkung im Forschungsprojekt „UrbanLife+ nutzen wir die daraus gewonnenen Erkenntnisse speziell zum Umgang von Senioren/-innen mit neuen Technologien und konnten somit für unseren Bewohner/-innen ein neues digitales Angebot schaffen: Die Bewohner/-innen können seit vier Wochen mit ihren Angehörigen „skypen“. Sie nutzen die Video-Telefonie-App „Skype“auf einem Tablet, um mit ihren Angehörigen trotz Besuchsverbot in Kontakt zu bleiben. Mittlerweile nutzen über 140 Bewohner/-innen dieses Angebot regelmäßig und halten so die Verbindung zu ihren Liebsten.

Frühzeitig Mitarbeitende geschult

Unterstützt und begleitet werden die Bewohner/-innen von Mitarbeiter/-innen, die z. B. helfen, das Tablet zu halten, die App zu starten oder den Kontakt auszuwählen. Das alles funktioniert so gut, weil die Mitarbeiter/-innen vor Bereitstellung der Tablets systematisch geschult wurden, was die Bedienung der Tablets und die Funktionen der Skype-App betreffen.

Geschult wurde schon vor Umsetzung der Corona-Maßnahmen, also präventiv, für den Fall, dass Kontaktverbote erlassen würden. Hier hat sich unsere besonders frühe Pandemieplanung als absolut dienlich erwiesen. Das zweiköpfige Schulungsteam hat kleine Handreichungen mit bebilderten Anleitungen erstellt und in die Einrichtungen geschickt. So konnte binnen weniger Tage das Skype-Angebot systematisch umgesetzt werden und erfreut sich nun besonders großer Beliebtheit!

Digital-interaktives Info-Board

Mit TAVLA werden die Bewohner/-innen in unseren Altenheimen schon seit zwei Jahren schrittweise an das Thema Digitalisierung herangeführt. TAVLA ist ein interaktiver Informationsbildschirm (siehe Foto), der die Bewohner/-innen aktivieren soll, selbständig Informationen zu Tagesangeboten und Veranstaltungen, Speiseplänen oder das Wetter zu erhalten, sowie Spiele zu spielen oder Fotos anzuschauen. Die Plattform ist per Touch und Sprache bedienbar. In Corona-Zeiten wird nun auch TAVLA noch viel stärker genutzt als bisher. Besonders spannend finden die Bewohner/-innen die neuen Aktivierungsangebote, bei denen gerechnet werden kann, Memory gespielt wird oder sogar kleine Videos angeschaut werden können.

Digitalisierung schneller vorantreiben

Es zeigt sich, dass gerade die digitalen Formen von Aktivierung, Betreuung und Begleitung ein großes Potential aufweisen, noch systematischer in den Einrichtungen eingesetzt und vor allem von Bewohner/-innen aber auch Mitarbeiter/-innen genutzt wird.

So schwierig diese Corona-Zeit für uns alle ist, so wird sie vielleicht auch etwas Gutes bringen. Zumindest war Corona dafür verantwortlich, dass innerhalb weniger Tage plötzlich über 140 Bewohner/-innen skypen. Der Weg hin zu digitalen Lösungen ist also mit deutlich größeren und schnelleren Schritten erfolgt, als wenn es Corona nicht gäbe.

Episoden aus dem Leben im Altenheim

Auf unserer Homepage haben wir eine zusätzliche Seite eingerichtet: „Leben im Altenheim in Corona-Zeiten“. Hier posten wir täglich Bilder und kleine Episoden aus unseren Altenheimen, damit Angehörige, Freunde und Interessierte trotz Besuchsverbot informiert bleiben und sehen können, dass es ihren Liebsten im Altenheim gut geht und wir unser Bestes tun, dass alle gesund bleiben!

Und auch bei Facebook posten wir regelmäßig kleine Beiträge auf unserer Seite. Gerade zu Corona-Zeiten gibt es viele Menschen, die der Sozial-Holding auch im Netz verbunden sind! Es wird sehr fleißig geteilt und geliked, allein im März haben wir über 27.000 Menschen erreicht, insgesamt 370 Likes bekommen und die Menschen haben unsere Beiträge 153 Mal geteilt, das spricht für einen hohen Identifikationswert mit den Inhalten. Positiver Nebeneffekt: wir haben in den letzten Tagen 25 neue „Freunde“ gewonnen und sind jetzt bei insgesamt 525 "Facebook-Freunden“, die sich uns verbunden fühlen.

Autorin: Susanne Wallrafen, Sozial-Holding Mönchengladbach