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Pflegepolitik

Pflegepolitik: Jetzt müssen pragmatische Lösungen für bekannte Probleme auf den Tisch

Eine Woche vor dem Start des Deutschen Pflegetags 2019, der vom Deutschen Pflegerat und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft veranstaltet wird, hat Andreas Westerfellhaus heute in einem Pressegespräch im Verlagshaus Hannover einen aktuellen Einblick in die laufenden pflegepolitischen Debatten gegeben: "Wir arbeiten unter Hochdruck an neuen Lösungen für die bekannten Probleme."

Foto (v.l.): StS Andreas Westerfellhaus, Nora Wehrstedt (stv. Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen), Jens Wackerhagen, OP-Pfleger und Extremsportler

Der Deutsche Pflegetag vom 14. bis 16. März 2019 steht unter dem Motto: Gepflegt in die Zukunft – JETZT!

Bei Deutschlands führendem Kongress für die professionelle Pflege werden die Weichen gestellt, um die Qualität der Pflege und die Attraktivität des Pflegeberufs dauerhaft zu verbessern. Zu den aktuellen Fragestellungen gehört unter anderem, welche Chancen die Konzertierte Aktion Pflege der Bundesregierung bietet.

Bei einem Austausch bei der Schlüterschen Verlagsgesellschaft in Hannover am 7. März positionierten sich Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, Nora Wehrstedt, stellvertretende Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, und Jens Wackerhagen, OP-Pfleger beim diakonischen Konzern Diakovere. Trotz unterschiedlicher Perspektiven sind sich die Beteiligten in einer Sache einig: Um die Zukunft der Pflege zu sichern, muss sich jeder bewegen!

Westerfellhaus stellte gleich zu Beginn klar: "Die gute Versorgung der Pflegebedürftigen und Patienten ist mein Ziel. Momentan steht dabei vor allem die Frage, wie wir auch in Zukunft genügend Fachkräfte für die Pflege finden können, in der öffentlichen Debatte. Uns allen ist klar, dass sich etwas ändern muss, wenn in der Langzeitpflege auf 100 freie Stellen in der Pflege im Schnitt nur noch 25 arbeitslose Fachkräfte kommen und Arbeitgeber ein halbes Jahr brauchen, um offene Stellen zu besetzen. Wir haben zwar immer mehr Auszubildende in der Pflege, aber sie reichen nicht mehr, um den ständig steigenden Bedarf zu decken. Und das nicht nur, weil es mehr Pflegebedürftige gibt, mehr Einrichtungen, einfach einen größeren Bedarf, sondern weil viele Pflegefachkräfte mit ihrem Beruf unzufrieden sind und die Arbeitszeit verkürzen oder gleich ganz in andere, vermeintlich attraktivere Bereiche abwandern. Was wir mittlerweile erleben, ist ein regelrechter Pflegekraft-Exodus, der den Druck auf die in der Branche verbleibenden Pflegefachkräfte erhöht und sich dadurch selbst beschleunigt. Pflegekräfte werden abgeworben, es sind im Krankenhausbreich schon Kopfprämien von 10.000 Euro für Vermittler und 15.000 Euro für den neuen Mitarbeiter bekannt geworden. Das ist eine fatale Entwicklung.

Zusammen müssen wir den Pflegekraft-Exodus schnellstmöglich durch bessere Rahmenbedingungen und mehr Pflegekräfte stoppen und umkehren! Mehr Kollegen, mehr Zeit, mehr Anerkennung – das ist die einfache Formel zum Win-Win für alle."

KAP: Ergebnisse bis zur parlamentarischen Sommerpause

Eine nachhaltige Wirkung könnte das am 1.1.19 gestartete Sofortprogramm Pflege aber erst dann haben, wenn Pflegefachkräfte auch künftig und langfristig ihren erlernten Beruf zufrieden ausüben können. In der Konzertierten Aktion Pflege sitzen bis Sommer alle Akteure der Pflege in fünf Arbeitsgruppen zusammen und sammeln Ideen u.a. zum Personalmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung, zu innovativen Versorgungsansätze und Digitalisierung oder zur Anwerbung ausländischer Pflegekräfte. Insbesondere hier müsste das Anerkennungsverfahren massiv vereinfacht und beschleunigt werden.

Die Erwartungen der Pflegenden an die Konzertierte Aktion sind gewaltig. Wir dürfen sie nicht enttäuschen. Deshalb ist es jetzt wichtig, dass wir im Sommer spürbare und verbindliche Maßnahmen auf den Weg bringen.

Neue, auch unkonvetionelle Lösungen erarbeiten

Zu den besseren Rahmenbedingungen zählt er neue Arbeitszeitmodelle ( z.B. 35 Std.-Woche oder sein 80:20-Modell), verlässliche Dienstpläne mit planbarer Freizeit (z.B. Flexpool-System oder 3 Tage Arbeit / 3 Tage frei),und eine angemessene Bezahlung. "In der KAP-Arbeitsgruppe 5 wird über die Einführung eines allgemeinverbindlichen Tariflohns diskutiert. Nur: Dazu wäre ein neuer großer Arbeitgeberverband als Tarifpartner erforderlich. Ich bin da mit Arbeitsminister Heil optimistisch, dass das zu schaffen ist "

Ob Tarifvertrag oder Mindestlohn Fachkräfte: Pflege wird teurer. Und nach bisherigem Stand würde das in der Langzeitpflege dazu führen, dass die Eigenanteile der Heimbewohner gravierend steigen. "Das darf nicht sein, die Politik diskutiert derzeit unterschiedliche Lösungsansätze, die Pflegeversicherung zu reformieren, ob Sockel-Spitze-Tusch oder Steuerzuschuss." Das Thema hat offenbar Fahrt aufgenommen, nachdem sich auch DAK-Chef Andreas Storm, Mitglieder des Gesundheitsausschusses und Abgeordnete der Union wie Emmi Zeulner (CSU) aufs Tempo drücken.

"Krankenkasen sind keine Sparkassen"

Im übrigen warf Westerfellhaus den Kosterträgern vor, insbesondere bei der Vergütung Ambulanter Dienste die Anerkennung von Tarifgehältern rechtwidrig zu versagen, zu mauern: "Krankenkassen sind keine Sparkassen, die Überschüsse erwirtschaften sollen."

Andreas Westerfellhaus hat selbst eine Krankenpflegeausbildung absolviert und seit Jahrzehnten mit den Themen vertraut. Er sagt: "Worüber wir heute diskutieren, das hätte ich mir vor 10 Jahren nicht vorzustellen gewagt. Zum neuen Selbstbewusstsein der Pflege gehört auch, dass Pflegekräfte nicht mehr die Handlager anderer Professionen sind, sondern mit allen Gesundheitsberufen auf Augenhöhe arbeiten wollen und auch können."

"Pflege kann ein erfüllender, vielfältiger Beruf sein"

Das teilt Nora Wehrstedt voll und ganz. "Als stellvertretende Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen und Gesundheits- und Krankenpflegerin im Drei-Schicht-System sehe ich jeden Tag, was meine Kolleginnen und Kollegen leisten. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Wir Pflegefachpersonen kümmern uns eben nicht nur um Ausscheidungen und Körperpflege. Leider existiert dieses Bild noch immer in den Köpfen vieler Menschen. Wir organisieren den gesamten Tagesablauf der Patienten und Bewohner, wir planen die Pflege rund um die Uhr, an sieben Tagen der Woche, 365 Tage im Jahr. Gute Pflege integriert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die tägliche Arbeit. Handlungs- und Behandlungsalternativen werden ermittelt und überlegt, nicht einfach nur durchgeführt. Im Gespräch mit anderen therapeutischen Berufsgruppen bringen wir unsere ganz besondere Perspektive ein. Und dahin müssen wir noch viel häufiger kommen, selbstbewusst die eigene Professionalität zu vertreten. Ohne die Berufsgruppe der Pflegenden würde die gesamte Gesundheitsversorgung innerhalb weniger Stunden zusammenbrechen."

Es sei eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre, die professionelle pflegerische Versorgung der Bevölkerung auch in der Fläche sicherzustellen. Der von der Pflegekammer Niedersachsen erstellte Bericht zur Lage der Pflegefachberufe zeigt: Der Altersdurchschnitt aller Pflegefachpersonen beträgt 45 Jahre. Die Altersgruppe der über 50-Jährigen ist mit knapp 38 Prozent am stärksten vertreten. "Das bedeutet, dass dann noch weniger Pflegekräfte für die Versorgung vorhanden sind als heute und die Situation sich weiter verschärfen wird, wenn nicht schnell wirksame Maßnahmen ergriffen und umgesetzt werden", macht Nora Wehrstedt deutlich. Mit Interesse schaut sie in die Niederlande - dort habe die professionelle Pflege einen höheren Stellenwert und arbeite mit anderen Professionen auf Augenhöhe.

Ihr Appell: "Der Pflegeberuf ist so abwechslungsreich wie kaum ein anderer. Der Kontakt zu Menschen kann kaum intensiver sein. Die Arbeitsplätze sind krisensicher. Jeder Kontakt zu Bewohnern und Patienten ist individuell, die Teamarbeit bereichernd. Wenn dann auch noch die Arbeitsbedingungen stimmen, Dienst- und Freizeitphasen verlässlich werden und sich auch die Einkommensstruktur deutlich verbessert, werden sich wieder mehr Menschen für diesen faszinierenden Beruf entscheiden."

Aktion "Jens rennt" - für Kinder aus Kriegsgebieten

Einer, der sich mit Leib und Seele für die Pflege einsetzt, ist Jens Wackerhagen. Der OP-Pfleger von der Diakovere in Hannover widmet seine Freizeit seit mehreren Jahren dem Laufsport. Als Teilnehmer von internationalen Extremläufen sammelt er mit seinem Charity-Projekt „Jens rennt“ Sponsoren- und Spendengelder, die Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten notwendige Operationen in Deutschland ermöglichen.

Mit einer besonderen sportlichen Herausforderung setzt er jetzt ein Zeichen, um auf die Situation in der Pflege aufmerksam zu machen. Zum Auftakt des Deutschen Pflegetags am 14. März startet er einen 300-Kilometer-Lauf von Berlin nach Hannover. Das bedeutet in rund 50 Stunden einen siebenfachen Marathon. „Ich laufe für die Pflege, weil es ein geiler Job ist. Ich laufe, damit es für uns gemeinsam in der Pflege besser läuft!“, erklärt Wackerhagen.

Sein Lauf wird auf den Social Media-Kanälen des Deutschen Pflegetags und der Schlüterschen live begleitet, damit Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege und andere Interessierte die leidenschaftliche Aktion mitverfolgen können und ihn vielleicht auch ein paar Kilometer begleiten. Von Berlin geht es über Potsdam, Brandenburg, Helmstadt, Braunschweig, Peine und Lehrte bis nach Hannover - oft an Krankenhäusern vorbei, laufbegeisterte Kollegen können sich über eine selbstgewählte Strecke anschließen.

Der Lauf symbolisiert auf eindrückliche Weise, dass zur Verbesserung der Pflegesituation Bewegung nötig ist. Alle Beteiligten und Entscheider müssen gemeinsam aktiv werden, um die Pflege langfristig zu sichern.

Über den Deutschen Pflegetag

Der Deutsche Pflegetag ist eine Veranstaltung des Deutschen Pflegerats e.V. und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG und gilt als die zentrale Veranstaltung für Pflege in Deutschland. Hier gestalten Experten und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Pflege und Gesellschaft die Zukunft der Pflege. Das vollständige Programm gibt es unter deutscher-pflegetag.de.

facebook: /deutscherpflegetag, Twitter: #pflegetag

Über die Schlütersche

Die Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG ist ausführender Veranstalter des Deutschen Pflegetags. Das Themenfeld Gesundheit und Pflege gehört zu den Kernkompetenzen der Schlüterschen: Das Portfolio umfasst in den Verlagsprogrammen Schlütersche Pflege und Brigitte Kunz Verlag eine Vielzahl von Pflegemedien für die Praxis mit dem Schwerpunkt auf Fachbüchern, dem Online -Portal pflegen-online.de und dem Magazin der Pflegekammer Rheinland Pfalz. Das Tochterunternehmen Carry-On Trade Publishing GmbH ist im Bereich digital Publishing aufgestellt. Das Angebot im Bereich Gesundheit und Pflege wurde mit der Produktlinie sgp (Sozial-, Gesundheits- und Pflegewirtschaft) erweitert.

Aktion "Jens rennt": Einsatz für Diakovere Lukas Fonds

Alle Spenden im Rahmen des Laufs von Berlin nach Hannover gehen zugunsten des DIAKOVERE Lukas Fonds, der Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten eine Operation im DIAKOVERE Annastift ermöglicht.

Spendenkonto IBAN DE78 5206 0410 0100 6022 48 BIC GENODEF1EK1 Stichwort "Jens rennt"

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